Donnerstag, 7. Juli 2016

Blogparade - Irgendwie Anders

Elai´s Papa hat mich vor einiger Zeit gefragt, ob wir nicht auch mitmachen wollen bei der Blogparade "Irgendwie Anders". Einen Beitrag verfassen über das Anders-sein. Ja, machen wir gerne. Weil ich es gut und wichtig finde, darauf aufmerksam zu machen, dass Anders-sein eigentlich überhaupt nicht schlimm ist. Im Gegenteil: ist es nicht schön, verschieden zu sein?
Kennt ihr übrigens das Buch? "Irgendwie anders "haben wir schon seit langem zu Hause. Ein tolles Kinderbuch über die Bedeutung von Toleranz.



Niklas ist ganz offensichtlich anders als andere 3. Klässler. Seine Behinderung erkennt jeder schon auf den ersten Blick. Ein neunjähriger Junge, der im Rollstuhl sitzt, nicht spricht und auf Fremde eher anteilnahmslos wirkt. Obwohl er das keinesfalls ist – was man auf den zweiten Blick auch recht schnell entdecken würde – würde man sich auf einen zweiten Blick einlassen. Das tun die wenigsten.

Niklas besuchte als Integrationskind den Regelkindergarten in der Gemeinde. Auch mit 4 Jahren war er schon ganz offensichtlich anders als die Anderen. Von Bedeutung war das für alle anderen Kinder so gut wie gar nicht. Auch wenn er vieles nicht so gemacht hat wie der Großteil - er war Teil dieser Gruppe und irgendwie immer dabei. 

(Kleine) Kinder sind da sehr unbefangen. Immer wieder ergeben sich ganz nette Begegnungen mit fremden Kindern. Sie beobachten zuerst. Oftmals fällt der Blick auf seinen Rolli. (Was für ein tolles Teil!) Ich werde gefragt, wieso Niklas nicht spricht und nicht gehen kann oder warum er seine Spielsachen in den Mund nimmt. Ich mag diese wertungsfreie Neugier. Schaut ein Kind lange, ohne etwas zu sagen breche ich meistens mit wenigen Worten wie „Das ist der Niklas – und wie heißt du?“ das Eis. 

Erwachsene sind bei solchen Begegnungen viel befangener. Da ist nicht selten ignorieren und wegschauen eine Taktik. Keine Ahnung, ob es daran liegt, dass es ihnen unangenehm ist ein behindertes Kind zu sehen oder sie glauben, eventuelle Fragen verletzen uns. Oder „stört“ sie gar der Anblick? Es ist ja keinesfalls so, dass ich jedes Mal auf Niklas angesprochen werden möchte. Ich frage auch nicht jede Mama, der ich begegne wie ihr Kind heißt und warum es so ist, wie es ist. Was allerdings wirklich unangenehm ist - ja, sogar weh tut, ist wenn wir lange angestarrt werden oder das viel zu laut gesagte „komm, geh weiter“ oder „nicht schau immer hin“ zum eigenen Kind. Es ist doch völlig ok, wenn ein Mensch mehr über sein Gegenüber wissen möchte. Wenn Interesse am Anderen besteht. Das macht doch das Mensch-Sein aus. 

Dann gibt’s aber leider auch die Sorte, die vielleicht wirklich gut gemeintes Interesse hat, aber völlig patscherte Fragen stellt. So wurde ich einmal – wohlgemerkt im Beisein von Niklas – ganz direkt gefragt, ob er denn überhaupt irgendwas mitbekommt. Autsch! Ja, gibt’s das denn wirklich, dass jemand so wenig Feingefühl hat?! Selbst auf meine Antwort „natürlich“ gab´s keine verlegene Reaktion vom Gegenüber. 

Häufig komme ich durch Niklas mit anderen betroffenen Menschen in Gespräch. Mir wird dann auch mal erzählt, dass er/sie auch ein behindertes Kind oder Geschwisterkind hat, dass der Sohn durch eine Krankheit gestorben ist, oder ein Angehöriger Epilepsie hat…. Merkwürdigerweise fühlt man sich oftmals einfach verstanden von Menschen, bei denen vielleicht auch nicht alles rund läuft. Bei denen das Schicksal die Lebenspläne geändert hat. Das ist gar nicht so selten, wie man vielleicht glaubt. Das Leben ist nun mal nicht nur rosarot. 




Tja, welchen Umgang würde ich mir denn jetzt mit Niklas wünschen? 

Die Antwort ist leicht: Einen vorbehaltlosen, offenen, völlig normalen.

Niklas selbst ist neugierig und kontaktfreudig. Er mag es, wenn er angesprochen wird. Er fährt auch schon mal zu einer fremden Person und stellt sich mit seinem Rolli einfach dazu. Und nein, ich laufe nicht sofort hin und sage: Entschuldigung, stört sie mein Kind? Können sie damit umgehen? Das tue ich auch bei Anika nicht. (macht das unsere 4 jährige Tochter wird sie übrigens immer freundlich angelächelt). Niklas hat es da schwerer. Oft kommt nicht einmal ein Hallo. Aber warum sollte ich ihn an diesen Kontaktaufnahmen hindern? Damit sein Gegenüber nicht unangenehm berührt ist und sich vielleicht damit auseinandersetzten muss, wie er/sie mit behinderten Menschen umgeht? Ich glaube gerade das ist wichtig. Menschliche Begegnungen auf Augenhöhe. Wir, als Eltern eines schwer behinderten Kindes, tun unseren Teil dazu. Gehen offen mit der Behinderung von Niklas um. Mich würde es für Niklas – und auch uns freuen, wenn das Andere auch so handhaben würden. Einen Versuch wäre es doch wert. Zu gewinnen gäb´s unglaublich viel – nämlich für beide Seiten – das könnt ihr mir glauben.



Sascha, danke fürs Einladen!
Für alle, die gerne noch weitere Beiträge zum Anders-sein lesen möchten: schaut vorbei bei Elai´s Blog: Irgendwie Anders Blogparade 

Kommentare:

  1. Huhu, das ist ein toller Beitrag zur Blogparade geworden. An vielen Stellen greifst du das auf, was ich auch des Öfteren empfinde. Bspw. diese wundervolle Offenheit anderer Kinder, diese unbändige positiven Neugierde und frei von sämtlichen Vorurteilen. Auch finde ich es toll, das Niklas sich manchmal mit seinem Rolli vor andere Leute stellt. Schade das diese die Chance nicht nutzen ihn kennen zu lernen. Du hast recht, was hätten sie schon zu verlieren? Man kann dabei nur gewinnen.
    Danke noch einmal für deinen Beitrag. Herzliche Grüße, Sascha

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  2. Liebe Niklas-Mama,

    jetzt muss ich einmal sagen, dass ich finde, Niklas sieht so sympatisch aus! (Ich kenne Euch ja nicht, lese meist "nur" still hier mit.) So ein lieber Junge, er ist ganz herzig! (Und die Annika natürlich auch.)
    Und zum Thema: Ich finde auch: Man sollte das Kind direkt ansprechen, nicht über die Erwachsenen den indirekten Weg gehen. (Das fällt mir auch bei augenscheinlich gesunden kleinen Kindern auf.)
    Euch alles Gute aus dem Norden!
    Viele Grüße,
    Theresa

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    1. Theresa, danke für die lieben Worte!
      Aber jetzt hast du mich auf etwas ganz anderes gebracht. Das stimmt schon - Kinder werden oft nicht direkt angesprochen. Zumindest die kleinen. Anika hat da jetzt wohl schon das Alter, dass man sie selbst fragt. Mhm... aus der Sicht hab ich´s noch garnicht betrachtet....
      ich freue mich über dein Kommentar - liebe Grüße in den Norden zurück :)
      Tanja - die Niklas-Mama

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