Montag, 29. September 2014

SINNblick September

Gestern gleich nach dem (späten) Frühstück schnell einen Zwetschgen-Reis-Auflauf gemacht und dann ab zu meinem Monats-Spaziergang

28. September 2014
10:55 Uhr 

Hier fallen schon langsam die Blätter von den Bäumen... 


aber ich war am Sonntag mit Kurzarm-Shirt unterwegs so warm und sonnig war es. Ganz ungewohnt nach den vielen kühlen Regentagen. 


Die Brombeeren würden jedenfalls noch einige Sonnenstunden brauchen zum Reifen... ob das noch was wird bevor es zu spät ist... Im Wald riecht es richtig nach Herbst... Hab ich schon erwähnt: Ich liebe diese Jahreszeit! 


Ich geniese diese Spaziergänge sehr. Diese Ruhe im Wald. In letzter Zeit hab ich ganz deutlich gespürt: Ruhe gibts bei uns so gut wie nie. Auf unserem Kalender steht immer etwas. Ob das jetzt Arzttermine, Therapien oder auch Freizeitaktivitäten sind. Freizeitstress - das haben sicher viele Familien. Man will ja schließlich auch etwas außerhalb von Arbeit und Schule (miteinander) erleben. Eltern - selbst die, die kleine Schulkinder haben, kennen das. Unter der Woche - nach der Schule - verabreden sich die Kinder zum Spielen. Hier am Land kennt man sich ohnehin. Und selbst bei jüngeren Schulkindern ist ein mitgebrachter Schulfreund keine große Sache. Außerdem hat man sowieso engeren Kontakt mit den anderen Eltern, weil die Kinder gemeinsam im Chor sind. Und in der Musikschule  und beim Zumba-tanzen sowieso. 
Eltern kennen das? Nein. Nicht alle. Der Niklas macht sich nichts mit Schulfreunden aus. Wir nehmen auch nicht mal schnell ein anderes Kind von einem Nachmittagskurs mit nach Hause, weil die Eltern ausnahmsweise länger arbeiten müssen. Das ergibt sich gar nicht. Schade, eigentlich. Keine Frage, es bleiben abzüglich der "Pflichttermine" wirklich nur wenige freie Tage. Diese verbringen wir oft mit unseren Lieben. Familie - die kann man sich nicht aussuchen. Wir hatten hier unglaubliches Glück. Schwestern, die viel mehr sind als "nur" Familie. 

Wenn wir aber als Familie etwas mit Anderen unternehmen, dann meistens mit Menschen, die ebenfalls ein Kind mit Behinderung haben. Ich frage mich immer öfter, warum das so ist. Es hat sich einfach eingeschlichen. Es ist ja auch etwas ganz anderes, wenn das Schulkind nicht einfach Fußball spielt, während sich die Eltern miteinander unterhalten. Gut, auf dem Spielplatz wüsste ich jetzt nicht einmal, wo ich Niklas wickeln sollte (mittlerweile ist Niklas nämlich definitiv zu alt, um ihn noch in der Öffentlichkeit auf einer Parkbank zu versorgen - das muss auch nicht sein). Auf eine Abendveranstaltung mit Kind - weil am nächsten Tag eh keine Schule ist - auch das klappt nicht. Niklas braucht seine Medikamente abends. Aber was noch wichtiger ist: er hält einfach nicht durch. Ist spätestens um 20 Uhr hundemüde. Keine Chance, da mal gemeinsam etwas länger zu bleiben. Mittlerweile wäre sogar die Anika ausdauernder als unser Großer. Deshalb denk ich mir: Wahrscheinlich tut´s wirklich einfach gut, bei "besonderen Familien" nicht aus der Reihe zu fallen. Ich weiß es nicht. Das ist kein schlechter Kompromiss. Nein, es fühlt sich gut an, so wie es ist. (Zumindest jetzt noch... mal schauen, wie wir den Spagat zwischen "unserer" und der "normalen" Welt, die die Anika mit sich bringt, dann schaffen). 

Aber gerade deshalb ist es für mich so unglaublich wichtig, auch Aus-Zeiten fernab vom Thema Behinderung zu haben. Ich mag es, mal mit einer KindergartenFreundin auf einen Kaffee zu gehen, bin so gerne bei der Schulfreunde-Runde dabei oder geh liebend gerne nach der Arbeit mal mit Kolleginnen, die mir mit den Jahren sehr wichtig geworden sind, Essen. (Keine Sorge: auch der Niklas-Papa hat da seine ganz persönlichen Atempausen)

so, jetzt aber wieder ein paar Bilder: 
(ich merke, ich komme nicht umher wieder Himmel-Baum-Fotos zu zeigen... ich mag sowas) 

Pfaffenkäppchen... schon als Kinder haben uns die Großen eingebläut, dass diese Beeren nicht zum Essen sind... daran kann ich mich noch gut erinnern. Ich hab gerade nachgelesen: das stimmt sogar :) 


Tja, und die Eichhörnchen haben auch schon ordentlich was zu tun


und hier noch mein 12tel Bild vom September 


Noch mehr SINNblicke findet ihr wie immer bei Anette - die 12tel Blicke bei Tabea

Und diesmal hab ich die Monate Jänner bis September 2014 zusammengefasst.... 
.... muss aber beim Anschauen zugeben: ich hätte mir da eine bessere Perspektive aussuchen sollen.... 



Kommentare:

  1. Liebe Tanje, ich hab heute ein Packerl von euch bekommen! Welch Freude! Der kleine Fuchs hat es mit mir bestaunt. Danach hab ich euch von ihm erzählt und er wollte eurern Blog sehen. Also haben wir hier ein bissl quergelesen. Dabei hab ich mich gefragt: Wie wär das wohl, wenn wir uns "in Echt" treffen würden. Was würden die beiden Buben miteinander machen? Ich weiß es nicht! Irgendwie ist mir da die gleiche Frage eingefallen - bevor ich den Post gelesen habe, wir haben die faden Waldfotos ja gleich mal übersprungen ;-) Ich nehme an, dass mein Sechsjähriger wohl eher mit Anika speilen würde, im Garten rumlaufen,... als längere Zeit mit Niklas zu verbringen. Ich denke als Familie sucht man sich einfach immer stresslose Freizeitaktivitäten. Wir haben ein sehr ruhiges Kind, das man auch schon mal in einen kinderlosen haushalt zu besuch mitschleppen kann ohne dass er dort alles zerlegt und anbröselt. Trotzdem mach ich das so gut wie gar nicht. Irgendwie ist das Stress die Bedürfnisse der anderen zu beachten - und Leute in meinem Alter ohne Kinder haben eben einfach anere als ich gerade. Deshalb find ich es ziemlich normal, dass ihr euch Bekannte und Freunde sucht die euch ähnlich sind in den Bedürfnissen.
    Liebe Grüße!
    Mein Geburtstagskalender braucht noch Daten-Futter ;-)

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  2. Liebe Tanja ... so, so .... Du hast den Grossen nicht geglaubt :-). Aber es stimmt wirklich, die Pfaffenhütchen darf man nicht essen. Meine kl.Schwester hat das mal getan und musste gleich 2 Tage ins Krankenhaus.
    Dein Post ist so voller traumhafter Bilder. Ich würde gerne "in echt" mit Dir durch Deine Welt spazierengehen. Ich hoffe ja immernoch, dass wir das endlich mal schaffen. Aber wenn man 2 Mal umzieht innerhalb von nur 18 Monaten, dann kommt man nirgendwo hin. Aber im nächsten Jahr!
    Die Besuchskontakte zwischen den verschiedenen Familienwelten sehen auch bei uns so aus, dass wir fast nicht mehr zu Familien mit "normalen" Kindern gehen können. Robert fällt auf, Robert eckt an, Robert wird von Kindern immer weniger verstanden.
    Nun hab ich meine Grossen. Da ist ein reges Besuchen von hier nach dort. ABER, die grossen Geschwister trauen sich fast nicht den Robert mal über Nacht zu betreuen. Weil er könnte ja einen Anfall bekommen, das trauen sie sich nicht zu. Und Kinder haben sie selber auch.
    Wir haben nun schon lange die Kurzzeitpflege einmal ein Wochenende im Monat. Das läuft über die Lebenshilfe. Und an diesem Wochenende machen wir all das was mit Robert nicht mehr geht. Wir könnten ihn schon am Abend mitnehmen, z.B. Essen gehen, oder mit Freunden die wir selten sehen etwas ausmachen. Aber ... es ist Stress pur mit ihm. Denn er braucht 100%ige Betreuung. Sonst läuft er weg, oder steht bei Fremden am Tisch und quatscht die voll, er quengelt, weil er doch heim will.....etc.
    Wir tun das nicht mehr. An diesen besonderen Wochenenden ist Susanne dran. Mit Pizzaessen, Kino oder wirklich ein Fondue zu dem wir einladen und das Haus mal wieder so richtig voll haben. Sie lädt sich gern ihre Freundinnen zum übernachten ein. Wenn Robert da ist, dann ist er da! Und wie! Susanne hat 2 Freundinnen die Robert nicht aushalten. Er geht so nah ran, er will immer drücken, er will mitreden, versteht aber nix .... usw. Sie hat aber auch 2 Freundinnen, die Robert lieben. So ist es, so müssen wir es aushalten.
    Michael und ich nehmen uns auch unsere Auszeiten. Getrennt und miteinander. Das ist so wichtig.
    Robert würde total auf Niklas zugehen. Da bin ich mir ganz sicher. Das ist ja seine Welt. Und er ist Fachmann für jeden Rollstuhl, Gehilfe etc. Damit lebt er Tag für Tag. Sein Freund aus der Einrichtung ist 9 Jahre alt, Dein Niklas und der Kleine haben viel Ähnlichkeit. Mit ihm kann Robert lang spielen, sich kümmern ... am liebsten noch die Windel wechseln. Der Kleine kann halt nicht zu uns kommen. Das tun die Eltern nicht. Aber dort durfte Robert schon öfter zu Besuch sein,ab und zu rufen sie dann auch an, dass er noch mit Abendessen möchte und dass der Vater ihn später nach Hause bringt. Das ist nun seit einem Jahr so, wir staunen noch immer. Aber auch da ist es so, dass die Kinder immer uns Eltern brauchen um was auszumachen, und es muss das Auto da sein, weil zu Fuss wohnen wir zu weit auseinander. Susanne setzt sich halt aufs Radl und fährt ....
    Es sind 2 verschiedene Welten. Die Welt der gesunden Kinder, die Welt mit Handicap. Ich stelle auch immer öfter fest, dass "Inklusion" nicht ganz zu verwirklichen ist im Privatleben. Ich hatte noch nie ein Problem Susanne unterzubringen, auch als sie noch kleiner war. Ein jeder hat gern auf den Sonnenschein aufgepasst. Für Robert gibt es fast nur "amtliche" Stellen.
    Es ist so schön, dass Du Deine Familie hast. Dass alle so nah sind, und Ihr ein Team für Euch und Niklas seid.
    liebe Grüsse ....
    Elisabeth

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